Sonntag, 25. Januar 2004
Geschichte vom dummen Hänschen
Hänschen

Hänschen will ein Tischler werden,
ist zu schwer der Hobel;
Schornsteinfeger will er werden,
doch das ist nicht nobel;
Hänschen will ein Bergmann werden,
mag sich doch nicht bücken;
Hänschen will ein Müller werden,
doch die Säcke drücken;
Hänschen will ein Weber werden,
doch das Garn zerreißt er:
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen denke dran,
was aus dir noch werden kann!

Hänschen will ein Schlosser werden,
sind zu heiß die Kohlen;
Hänschen will ein Schuster werden,
sind zu hart die Sohlen;
Hänschen will ein Schneider werden,
doch die Nadeln stechen;
Hänschen will ein Glaser werden,
doch die Scheiben brechen;
Hänschen will Buchbinder werden,
riecht zu sehr der Kleister:
Immer, wenn er kaum begonnen,
jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen denke dran,
was aus dir noch werden kann!

Hänschen hat noch viel begonnen,
brachte nichts zu Ende,
drüber ist die Zeit verronnen,
schwach sind seine Hände.
Hänschen ist nun Hans geworden,
und er sitzt voll Sorgen,
hungert, bettelt, weint und klaget
abends und am Morgen:
Ach, warum nicht war, ich Dummer,
in der Jugend fleißig?
Was ich immer auch beginne -
dummer Hans nur heiß' ich.
Ach, nun glaub' ich selbst daran,
dass aus mir nichts werden kann.


Rudolf Löwenstein

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Etwas, das auch ich immer wieder beobachte...
...da führst Du eine Schulung durch, um Arbeitslosen einen Job vorzustellen. Du zeigst ihnen alles, was sie wissen müssen und gehst immer wieder auf die selben Fragen ein. Geduldig, immer und immer wieder.
Dabei ist es kein schwerer Job. Anstrengend wohl, aber nicht so, dass man nicht begreifen könnte, was man da tun soll.
Du bringst sie mit Leuten ins Gespräch, die diesen Job erledigen, lässt sie bei deren Arbeit zuschauen, zuhören. Sie erleben live mit, wie andere Mitarbeiter Erfolg haben.
Alles scheint gut zu sein. Bis zu dem Moment, da Du sie fragst, ob sie im Unternehmen mitarbeiten wollen.
Da kommen Einwände gegen den Job. Einwände, die nicht nachzuvollziehen sind.
Einer davon lautet, "wenn ich das nun nicht kann?". Du bietest ihnen an, vier Wochen mitzuarbeiten, im Rahmen einer betrieblichen Trainingsmaßnahme, damit sie abgesichert sind in dieser Zeit. Und Du sicherst ihnen zu, dass sie nur eingestellt werden, wenn sie es schaffen, in diesen vier Wochen auf das Leistungsniveau der anderen Mitarbeiter zu kommen.
Aber sie lehnen ab. Begründung: "Ich bekomme vom Arbeitsamt das Fahrgeld nicht wieder!"
Ein Einziger aus einer Gruppe von sieben war bereit, auch ohne Rückversicherung diese vier Trainingswochen anzutreten.
Und dann noch die Bezahlung. Sie würden leistungsabhängiges Gehalt bekommen. Das wollen sie nicht. Da schwafeln sie von Provision und davon, dass es auf Provision kein Arbeitslosengeld gibt. Mit Engleszungen kannst Du ihnen erklären, dass sie keine Proision bekommen, sondern ein Leistungsabhängiges Gehalt, was bedeutet, sie sind renten-, kranken-, arbeitslosenversichert, bekommen Urlaub, wenn nötig Krankengeld.
Aber sie wollen den Job nicht. Sie stellen eine Bedingung: wenn ich keinen Erfolg habe, nicht die erforderliche Leistung bringe, möchte ich einen Grundbetrach haben, den ich trotzdem gezahlt bekomme. Sie wollen die Zusicherung, dass sie bezahlt werden, auch wenn sie nicht arbeiten oder schlecht arbeiten.
Wo, bitte schön, gibt es so etwas?
All denen würde ich gern das Gedicht vom Hänschen vorlesen, am besten über das Bett hängen.

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